Pfingsten. Leipzig. Wave-Gotik-Treffen. Wie so oft im Leben gibt es auch hier zwei Seiten. Scheinbar oberflächliche Menschen, die das WGT einzig besuchen, um sich außerhalb der offiziellen Karnevalszeit verkleiden zu können. Die den Bereich vor der Agra – dem „Zentrum“ der auf die ganze Stadt verteilten Veranstaltung – als Laufsteg nutzen. Menschen, mit denen man keine drei Worte wechseln möchte und die das mediale Bild als falsches Zerrbild prägen. Dem gegenüber steht an vielen Orten in Leipzig eine besondere Atmosphäre. Magisch, zauberhaft, ursprünglich, hin und wieder auch ein wenig rebellisch und: schwarz. Mit Menschen, deren Stimmen und Aussagen man gerne lauscht. Menschen, die man gerne betrachtet. Ein Gegenpol zur schrill-bunten Konsum- und Spaßgesellschaft. Glücklicherweise prägen die unterschiedlichsten Begegnungen mit Menschen der zweiten Gruppe das Bild meines WGTs.
Donnerstag: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Höhepunkte gab es zahlreich. So war es eine große Freude, am Donnerstag Nachmittag auf der Empore des Agra-Cafés einige meiner Bilder aufzuhängen und zu späterer Stunde und auch bei weiteren Aufenthalten im Café zu beobachten, dass sich eine nicht unwesentliche Anzahl von WGT-Gästen die Zeit nahm, sich auf die Bilder einzulassen, darüber zu diskutieren und die darunter platzierten Zitate zu lesen und nicht nur flüchtig am Präsentierten vorbeizueilen. Ob die Bilder bei dem einen oder anderen Besucher einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wird sich – hoffentlich – zeigen… (mehr …)


Als sich der kleine Zeiger meiner Armbanduhr bedrohlich* der Zahl Fünf nähert, Siouxsie in ihrer unverkennbaren Art und Weise über den Untergang einer Stadt singt, sich ein Teil der letzten etwa 50 Hartgesottenen im Takt des Rhythmus und zur Melodie der Gitarre über die große Tanzfläche bewegt, stelle ich fest, dass die auf ein Geländer abgestützte Haltung aufgrund des akut vorhandenen Schlafmangels wohl nicht so lässig wie gewünscht wirkt. Trotzdem fühle ich mich noch überaus munter und lasse die letzten Tage mit einem zufriedenen, auf andere vielleicht etwas irritierend wirkenden Lächeln gedanklich Revue basieren…
Noch hat das Wave-Gotik-Treffen nicht begonnen (morgen ist es endlich soweit!), doch ich denke auch schon an die Zeit nach dem WGT. Die Zeit, in welcher der Nach-WGT-Blues erbarmungslos zuschlägt. Für Linderung hat in den letzten Jahren immer das „Pfingstgeflüster“ gesorgt, welches in diesem Jahr zum sechsten mal erscheint und sich auf über 80 Hochglanzseiten im DIN-A4-Format ausführlich der Vielfalt, der Einzigartigkeit und dem außergewöhnlichen Flair des Wave-Gotik-Treffen, der Stadt Leipzig und der „schwarzen Szene“ widmet.